Fachkräftemangel? Dann tun Sie was!

Veröffentlicht am 18. Dezember 2019 in Digital Marketing | Human Resources Marketing

Ein «Rant» wider die Klagekultur.

«Viele Skifahrer, kaum Köche», so betitelte das Onlinemagazin Tageskarte Ende November einen Artikel zum wenig überraschenden saisonalen Fachkräftemangel in den Wintersportgebieten. Wenig später zeigt eine Studie der Social Recruiting-Plattform Gronda, dass 60% der Mitarbeitenden im Gastgewerbe ihr Arbeitsumfeld nicht weiter empfehlen und 40% von ihnen demnächst einen Jobwechsel planen.

Auch die deutsche AHGZ beschäftigt sich mit dem Thema und fällt ein ziemlich kritisches Urteil über die Rekrutierungsprozesse in den meisten Hotels: sie seien «old school», lieblos, unsorgfältig, respektlos gegenüber dem Jobkandidaten, etc.

Alle Symposien und Konferenzen zum Thema Fachkräftemangel, an denen sich immer alle einig sind, dass es ein Umdenken im HR-Bereich braucht, haben anscheinend noch ziemlich wenig gebracht. Denn dieses Umdenken hat bei vielen Unternehmen noch nicht einmal ansatzweise stattgefunden hat. Die Tatsache, dass gute Mitarbeitende heute die Wahl haben und genauso umworben und umsorgt werden müssen, wie Gäste, wird zwar allenthalben abgenickt. Danach gehandelt wird jedoch in den seltensten Fällen.

Das sieht man an lieblosen Stellenanzeigen, wo durchaus hohe Ansprüche an Bewerber gestellt werden, aber kaum überzeugend darauf eingegangen wird, warum er oder sie sich bei genau diesem Arbeitgeber bewerben sollte – und nirgendwo anders.

Das sieht man, wenn Betriebe auf Gronda, DER F&B-Rekrutierungsplattform, oder auf Linkedin, DER Kaderplattform, in ausgefeilten Werbefloskeln beschreiben, wie schön ihre Zimmer oder ihr Spabereich, wie modern ihre Klimaanlagen und wie ausgezeichnet ihre Restaurants sind.

Liebe Gastgeber, eine kleine Wahrheit an dieser Stelle von mir: NIEMAND liest Ihre Unternehmensbeschreibung auf Linkedin, weil er oder sie bei Ihnen Gast sein möchte – von kleinen Ausnahmen im MICE-Bereich vielleicht mal abgesehen. Bitte überlegen Sie sich, warum Sie überhaupt ein Unternehmensprofil auf Plattformen wie Gronda oder Linkedin haben und dann setzen Sie es entsprechend zielführend ein.

Das sieht man, wenn man sich die Bewertungsplattform Kununu anschaut, auf der Unternehmen von ihren Angestellten, ihren Praktikanten, Auszubildenden und ihren Bewerbern bewertet werden. Gastgeberunternehmen, die diese Plattform auf dem Radar haben und mit ihren Bewertungen aktiv umgehen, dürften in der Schweiz eine einstellige Prozentzahl ausmachen.

Das sieht man auch, wenn der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband den Grund für die vielen Lehrabbrüche in der Küche darin sucht, dass TV-Köche wie Tim Mälzer Jugendlichen falsche Erwartungen an die Ausbildung mitgäben. Dabei ist die Popularität des Koch-Themas in Social Media und TV ja ein gottgesandter Grund dafür, dass es überhaupt noch Jugendliche gibt, die sich für den Kochberuf interessieren.

Human Ressources muss umdenken und entweder mit dem Marketing zusammenarbeiten oder selbst Kommunikations- und Marketingkompetenzen entwickeln, die früher nicht (so) nötig waren. Es geht dabei hauptsächlich um Bereiche wie

1. Ständiges und überzeugendes Employer Branding

auf der Webseite und in Storytelling-Kanälen, um für Suchende sichtbar zu sein und zu zeigen, warum man als Arbeitgeber die beste Wahl ist. Dazu gehört ein positiver Umgang mit Bewertungen auf Kununu oder Hotelcareer, dazu gehört ein auf Mitarbeitende ausgerichtetes Storytelling auf Social Media Kanälen wie Facebook, Instagram, Linkedin, Youtube etc. Und dazu gehört ein Job- und Karrierebereich auf der Webseite, der potentielle Kandidaten abholt, überzeugt und ebenso «convertiert» wie den Gast auf den übrigen Seiten.

Dass dieser Karrierebereich und die darauf ausgeschriebenen Jobs für die Google-Jobsuche optimiert sein sollten, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Oder doch?

(Tipp: Wie muss eine Karriereseite «in geil» aussehen? Gronda hat fünf Best Practice Beispiele!)

2. Flexible und wertschätzende Rekrutierungsprozesse.

Braucht es tatsächlich noch ein Motivationsschreiben oder das Zeugnis aus der Grundschule? Kümmern sich wirklich fachlich und menschlich kompetente Mitarbeitende um die Rekrutierung oder wird das nebenbei gemacht, von wem auch immer und wann man eben Zeit dazu hat – oder auch nicht? Zur Rekrutierung gehört neben der Auswahl der Topkandidaten auch die Absage an alle, die zum aktuellen Zeitpunkt und für den aktuellen Job nicht in Erwägung gezogen werden. Können Sie es sich wirklich leisten, diese Menschen durch Nicht-Kommunikation ewig hinzuhalten oder durch respektlose, inhaltsleere Absagefloskeln zu demütigen? Wäre es nicht schlauer für alle Beteiligten, einen Pool geeigneter Kandidaten zu bilden, den man sich «warmhalten» oder mit anderen in der Destination teilen kann?

3. Überzeugte Mitarbeitende,

die als Botschafter glaubhaft für das Unternehmen sprechen können. Dass es dazu eine Mitarbeiterorientierung im Unternehmen braucht, ist klar. Die eingangs erwähnte Gronda-Studie zeigt, dass beim Thema «Respekt und Wertschätzung» die Diskrepanz zwischen der persönlichen Wichtigkeit und der realen Zufriedenheit höher ist als beim Thema «Gehalt», gefolgt von «Arbeitsatmosphäre» sowie «Weiterbildung und Aufstiegschancen».

Es geht Mitarbeitenden also nicht einmal primär ums Gehalt und das ist wichtig, denn am Gehalt können die meisten Gastgeberunternehmen nur wenig verbessern. Eine Investition in den wertschätzenden Umgang im Unternehmen, in die Arbeitsatmosphäre und Weiterbildung ist in der Planung und konsequenten Umsetzung vergleichsweise sogar anspruchsvoller, sollte dafür aber jedem möglich sein, der es wirklich will.

 

Und ja:
Ich weiss, dass Bewerber und Mitarbeitende heute auch schwierig sein können. Dass manche sich bewerben und dann nicht mehr melden. Dass manche am ersten Tag eines neuen Jobs einfach nicht erscheinen, weil sie etwas Besseres gefunden haben. Dass manche keinen geraden Satz schreiben oder das Einmaleins durchrechnen können. Oder die zwischenmenschliche Kompetenz eines wilden Wolfsjungen mitbringen. Aber was soll’s? Die Gesellschaft ändert sich, das Verhalten ändert sich mit. Wünschen bringt nichts, wir müssen mit dem arbeiten, was da ist und seien wir ehrlich: Es sind viel mehr kompetente, verlässliche und richtig nette Mitarbeitende da draussen als das Gegenteil. Also holen Sie sie sich!