Trends im Hotel Online Marketing 2015

Veröffentlicht am 16. April 2015 in Digital Marketing

Hotel-Onlinemarketing ist ein komplexer und dynamischer Bereich. Hoteliers, die neben ihrem täglichen Kerngeschäft auch hier up to date bleiben sollen, verlieren oft den Überblick. Hier eine «tour d’horizon» der aktuellen Entwicklungen und Trends – zusammen mit einer praxisorientierten Einschätzung und Tipps zur Umsetzung...

Erste Priorität: Mobil-Optimierung Ihrer Webseite!

Google macht ernst: Die Mobiltauglichkeit bei Webseiten wird ab Ende April ein definitiver Rankingfaktor. Webseiten, die nicht «mobile friendly» sind, werden in Zukunft in den Suchergebnissen schlechter abschneiden als mobiloptimierte Webseiten. Auch Gäste fordern mobile Funktionalität: Bis zu 38% der Hotelbuchungen werden 2015 von einem mobilen Gerät aus getätigt werden. Wenn Ihre Webseite und Ihr Buchungsprozess mobil nicht funktionieren, überlassen Sie das Feld den Buchungsplattformen!

Personalisierung und «Big Data»

«One size fits all» hat ausgedient. Gäste erwarten heute ein einzigartiges, persönliches Reise-Erlebnis, ob auf der Webseite, im Newsletter oder beim Aufenthalt im Hotel: Relevante Informationen und kreative Angebote, die auf sie zugeschnitten sind und zeigen, dass man sie als Gäste mit individueller Persönlichkeit und Vorlieben kennt und schätzt. Als Hotelier haben Sie viele dieser Daten schon. Jetzt kommt es darauf an, diese Daten effizient auszuwerten und klug zu nutzen.

Relevanter Webseiten-Content.

Die Inhalte Ihrer Webseite sind wichtiger denn je: Gäste und Google suchen auf Ihrer Webseite hochwertige und relevante, gut strukturierte Text-Inhalte. Denken Sie über trockene Aufzählungen der Zimmer-Features, aber auch über verbale Werbeschnörkel hinaus – und auch über Ihren eigenen Betrieb: Was interessiert Ihre Gäste? Dann schreiben Sie darüber – interessant, relevant und nicht zu kurz. Und wenn Sie zusätzlich noch einen eigenen Blog haben, umso besser!

OTA: Die Grossen und die Neuen.

Online-Buchungsplattformen (OTA) sind einerseits dabei, sich zu konsolidieren, indem z.B. Priceline und Expedia kleinere Plattformen aufkaufen. Andererseits gibt es auch neue Anbieter aus anderen Branchen, die im profitablen Hotelzimmermarkt mitspielen wollen, z.B. Amazon oder eBay. Sollten Sie Ihre Zimmer auch dort anbieten? Im Moment können die meisten Hotels noch abwarten, ob sich diese Anbieter zu etablieren beginnen.

Pay-per-Click & Metasearch

Sollten Sie in die Vermarktung via Metasearch bzw. Pay-per-Click (PPC) investieren und wenn ja, bei Google Hotelfinder, bei Tripadvisor oder bei Kayak? Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Ein Versuch unter fachkundiger Begleitung, bei dem Buchungen und Kosten ausgewertet werden, kann hier Aufschluss geben und muss nicht teuer sein. Wichtig zu wissen: die Anbindung an PPC-Dienste ist für Einzelhotels bislang nur über spezialisierte Dienstleister möglich.

Remarketing-Paranoia

Nein, Sie leiden nicht an Verfolgungswahn. Das Hotel, das Sie sich auf Booking.com kurz angeschaut haben, verfolgt Sie tatsächlich die nächsten Tage durch das ganze Internet. Die grossen Buchungsplattformen betreiben auf diese Art intensives «Re-Targeting» oder «Remarketing». Damit sollen Besucher, die den Webseitenbesuch oder Buchungsprozess abgebrochen haben, doch noch von den Vorteilen des Angebots überzeugt werden. Ist Remarketing sinnvoll für Ketten oder Einzelhotels? Auch hier muss der Einzelfall geprüft werden.

 Mobile Payment

Müssen Gäste bei Ihnen noch nach der Kreditkarte suchen, wenn sie mobil buchen oder zahlen wollen? Der Trend geht weg vom Griff nach der Brieftasche und hin zum Griff nach dem Smartphone mit Apple Pay, Google Wallet oder auch PayPal. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 40% der Einzelhändler in den USA Apple Pay bis Ende 2015 einsetzen werden. Starbucks verzeichnet mehr als sechs Millionen Smartphone-Bezahlvorgänge pro Woche. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Buchungsanbieter, ob solche Zahlungsmöglichkeiten in Planung sind.

Social Media = Commercial Media

Social Media war lange kostenlos. Heute braucht es neben Relevanz im Storytelling und Konsequenz in der Umsetzung teilweise auch die Unterstützung durch bezahlte Werbung. Facebook entwickelt sein treffsicheres und kosteneffektives Anzeigen-Produkt laufend weiter und auch Twitter bietet seit Februar die Möglichkeit für Werbeanzeigen in der Schweiz.

Bilder sprechen tausend Worte

Visuelle Inhalte sind von grösster Bedeutung im Internet. Sorgen Sie für aktuelle und attraktive Bilder auf Ihrer Webseite und Ihren anderen Online-Präsenzen. Prüfen Sie visuelle Social Media wie Instagram oder Pinterest für Ihren Betrieb und nutzen Sie die die Lust der Menschen an der Selbstdarstellung für sich – z. B mit einem speziellen «Selfie-Angebot». 360-Grad-Panoramen sind Teil dieser Entwicklung. Investieren Sie dazu am besten in Googles Business-View Produkt, da dieses nicht nur auf der Webseite, sondern auch auf der Google+ Seite eingebaut werden kann und damit auch im Google Suchergebnis erscheint. Auch Videos werden zunehmend wichtig: YouTube bleibt DIE effektivste Plattform für Videomarketing, aber Facebook investiert massiv in die Anzeige von Videos auf der eigenen Plattform und belohnt diese mit extra Reichweite.

Digitale Gästebetreuung.

Die gedruckte Gästemappe ist passé. Gäste erwarten Informationen im Hotel heute auch in digitaler Form. Die neuen digitalen Gästemappen auf dem Tablet wiederum Ihnen als Hotelier die Möglichkeit, den Gästen passende, aktuelle Angebote direkt zu unterbreiten und so kluges Up- und Cross-Selling vor Ort zu betreiben. Eine weitere Entwicklung ist das so genannte Bluetooth- oder Proximity-Marketing mittels iBeacon- oder NFC-Technologie auf dem Smartphone.

Grundsätzlich gilt: Erst die Strategie, dann die Trends!

Wer noch keine Strategie, keinen «Fahrplan» für sein Onlinemarketing hat, lässt sich leicht von Trends beeindrucken. Onlinemarketing darf aber kein Fähnchen im Wind der Entwicklungen sein! Sinnvolle Einschätzungen und Entscheidungen lassen sich nur auf der Basis einer grundlegenden Onlinemarketing-Strategie treffen. Dass diese Strategie regelmässig an neue Entwicklungen angepasst werden muss, versteht sich von selbst.

Eingeborene und Einwanderer

Nicht nur das Marketing, auch die Gäste verändern sich. In ihrem Such- und Buch-Verhalten und in ihren Erwartungen an das Reiseerlebnis. Das gilt sowohl für die so genannten «Digital Natives» oder «Millennials», die mit Technologie aufgewachsen sind und sie ganz selbstverständlich überall erwarten. Als auch für die «Digital Immigrants» der kaufkräftigen Baby Boomer-Generation, die sich ebenfalls zunehmend der neuen technologischen Möglichkeiten bedienen, wenn es ans Reisen geht. Der Einsatz von Technologie ist heute keine Alters-Frage mehr, sondern eine Frage Ihrer Positionierung und Marketing-Strategie.

 

Von Gabriele Bryant
Erschienen ebenfalls im Hotelier, April 2015