Ein Firmeneintrag in 35 Suchverzeichnissen.

Braucht man sowas?

Ich habe eine ziemlich breite und gut verarbeitete Hutschnur. Gelegentlich reisst sie trotzdem. Zum Beispiel, wenn ich immer wieder von Kunden und Kursteilnehmern gefragt, werde, was ich von Angeboten halte, mit denen sie für mehrere tausend Franken pro Jahr auf zig Online-Verzeichnissen und -Karten eingetragen werden und eine bessere Reichweite bei Google erhalten sollen.

Und so möchte ich hier mal meine Antworten auf diese Fragen festhalten. Dann kann ich in Zukunft nur noch diesen Beitrag verlinken und muss nicht mehr alles von vorne schreiben.

Das Versprechen:

«Wir sind Partner von Google. Google nutzt unsere Daten. Wenn Sie einen Eintrag bei uns haben und dieses Angebot buchen, werden Sie damit dann bei Google und überall im Netz besser gefunden.»

Die Fakten:

Google arbeitet nicht mit «Partnern» zusammen – ausser wo es um Google Ads, also bezahlte Anzeigenwerbung. geht.
Google scannt permanent das gesamte Internet und findet alle öffentlichen Webseiten und Daten sowieso.
Google hat eigene MyBusiness Einträge, die auch automatisch für Google Maps gelten. Warum sollte Google also auf die Daten irgendeines bezahlten Dienstes angewiesen sein?
Ja, man findet bei Google Ihren Eintrag beim bezahlten Anbieter für genau die Keywords, die Sie dort hinterlegt haben.
Aber wenn Sie Ihre Hausaufgaben punkto Webseite und MyBusiness-Eintrag auch nur ansatzweise gemacht haben, findet man Sie auch direkt bei Google – unbezahlt.

Das Versprechen:

«Ein Eintrag bei uns bringt Ihnen viel mehr Reichweite bei Google und im ganzen Internet. Denn Ihr Firmenprofil wird auf zahlreichen Diensten im Internet publiziert.

Dazu gehören: Google, Bing, Facebook, Instagram, Tripadvisor, Foursquare, HolidayCheck, Snapchat, Trustpilot, Brownbook, Cylex, FindOpen, Fliggy, HostMe, HotFrog, iGlobal, Infobel, Koomio, Mafengwo, Mapstr, Oeffnungszeitenbuch, Pages24, Stadtbranchenbuch, Trip.com, Tupalo, Yalwa, Google Maps, Apple Maps, TomTom, Navmii, Waze, AroundMe, WhereTo?, HERE, etc.

Plus unsere eigenen Verzeichnisse!»

Die Fakten:

Google: Mit einer halbwegs funktionierenden Webseite sollten Sie sowieso auf Google gefunden werden (siehe oben) und Ihren Google MyBusiness Eintrag können Sie ganz einfach selber anlegen. Dafür brauchen Sie nur ein Google-Konto. Und wenn Sie Ihren Google MyBusiness Eintrag selbst pflegen, haben Sie auch weitaus mehr Möglichkeiten, ihn aktiv für Ihr Unternehmen einzusetzen.

Bing: hat einen Marktanteil von gerade mal 3.7% in der Schweiz und etwas über 10% in Deutschland. Bing ist zudem eine Suchmaschine genau wie Google. Das heisst: wenn Sie eine einigermassen gute Webseite haben, dann werden Sie damit auch auf Bing gefunden. Und Yahoo. Und DuckDuckGo. Und Qwant. Unbezahlt.

Facebook: Wenn Sie keine Facebookseite haben, können Sie auch nicht auf Facebook «eingetragen» werden. Facebook ist kein Verzeichnis, sondern eine Social Media Plattform.
Instagram: Wenn Sie kein Instagram-Profil haben, können Sie auch nicht auf Instagram «eingetragen» werden. Instagram ist kein Verzeichnis, sondern eine Social Media Plattform.
Snapchat: Wenn Sie kein Snapchat-Profil haben, können Sie auch nicht auf Snapchat «eingetragen» werden. Snapchat ist kein Verzeichnis, sondern eine Social Media Plattform.

HolidayCheck: Sind Sie ein Hotel? Nein? Dann brauchen Sie auch keinen Eintrag bei HolidayCheck. Dazu gilt: Ohne ein eigenes Profil können Sie dort auch von niemandem publiziert werden.
Tripadvisor: Sind Sie ein Hotel, Restaurant oder eine Freizeitattraktion? Wenn nicht, dann brauchen Sie auch keinen Tripadvisor-Eintrag. Dazu gilt: Ohne ein eigenes Tripadvisorprofil können Sie dort auch von niemandem publiziert werden.
Foursquare: Sind Sie ein Hotel, Restaurant, Freizeitanbieter, Coiffeur oder ähnliches? Wenn nicht, brauchen Sie auch keinen Foursquare-Eintrag. Kommt dazu: Foursquare hat gerade mal 2 Millionen Nutzer weltweit, davon 60% in den USA. Ist dieser digitale «Stadtführer» für Sie relevant?

Ein kleines Beispiel für meinen (unbezahlten) Eintrag bei search.ch.
Google kriegt das meist etwas genauer hin. Ebenfalls unbezahlt.

Trip.com: Such- und Buchplattform für Hotels, Flüge und Züge.
WhereTo?: Preissuchmaschinen für Hotels und Flüge.
Fliggy: chinesischsprachige Reise-Such-und-Buch-Plattform der Alibaba-Gruppe.
Mafengwo: kein Verzeichnis, sondern eine etwas neuere chinesische Social Media Plattform, die jungen Chinesen Content zum Thema Reisen bietet.
HostMe: eine Restaurant Management Software.

Koomio: Eine Plattform aus Deutschland vor allem für Einzelhändler, die ganze 3000 Geschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet haben will. Ich fand dort keinen Eintrag in der Schweiz.

Trustpilot: ist weniger ein Firmenverzeichnis als ein Bewertungsportal. Die Profile dort werden von Firmen oder ihren Kunden angelegt, nicht von Drittanbietern. Es sind auch keine Adressdaten hinterlegt, sondern einfach Links auf die Webseite. Das kriegen Sie auch noch selber hin.

Brownbook: ein weltweites kostenloses Firmenverzeichnis.
HotFrog: ein weltweites kostenloses Firmenverzeichnis.
iGlobal: ein weltweites kostenloses Firmenverzeichnis.
Yalwa: ein weltweites kostenloses Firmenverzeichnis.
Infobel: ein internationales Online-Telefonbuch.
Pages24: Kostenloses B2B Branchenverzeichnis für die Schweiz.
Stadtbranchenbuch: Kostenloses Branchenbuch und Bewertungsportal für die Schweiz, das aber keine Bewertungen anzeigt und seine bestehenden Daten irgendwo zusammengesucht zu haben scheint.
Tupalo: kostenloses Branchenverzeichnis für einige europäische Länder, die Schweiz und die USA mit der Möglichkeit kostenpflichtiger Premiumeinträge.
Cylex: ein Firmenverzeichnis, das seine Daten aber aus anderen Plattformen und Google aggregiert (zusammensucht und anzeigt). Niemand muss hier einen Eintrag anlegen.
FindOpen: ein englischsprachiges Öffnungszeiten-Verzeichnis für Firmen in den USA, das seine Daten aus anderen seine Daten aber aus anderen Plattformen und Google aggregiert (zusammensucht und anzeigt). Niemand muss hier einen Eintrag anlegen.
Oeffnungszeitenbuch: ein FirmenVerzeichnis für den deutschsprachigen Raum mit Öffnungszeiten, Angeboten etc. Öffnungszeiten, Angebote etc. können Sie noch viel detaillierter in Ihrem Google MyBusiness Eintrag erfassen.

Mapstr: eine Verzeichnis-App, mit der Nutzer sich Karten mit ihren eigenen Lieblingsorten weltweit zuzammenstellen können.

Google Maps: automatischer Eintrag über Google bzw. GoogleMyBusiness (siehe oben).
Apple Maps: Wenn Sie eine Apple-ID haben, können Sie sich dort selbst eintragen oder Ihren Eintrag pflegen.
TomTom: Navigationssystem, im dem Sie sich auch selbst eintragen können.
Navmii: weltweite offline-Navigationsapp – kostenloser Selbst-Eintrag möglich.
Waze: Smartphone Navigations-App. Kostenloser Eintrag durch jedermann (Nutzer oder Firmeninhaber) möglich,
AroundMe: Sind Sie ein Hotel, Restaurant, Theater, Krankenhaus oder sonst von Interesse für Laufkunden? Sind Sie bei Google Maps eingetragen? Dann werden Sie auch von AroundMe gefunden. Unbezahlt.
HERE: Online Geodaten- und Navigationsprogramm für Smartphones. Mit einem kostenlosen Here-Konto ist ein kostenloser Eintrag möglich.

Fazit und Tipps:

1. Suchverzeichniseinträge sind grundsätzlich interessant für lokale SEO.
Alle Suchverzeichnisse, ob vom Anbieter selbst oder nicht, sind potentiell interessant für Ihre lokale Suchmaschinenoptimierung: wenn Sie also gezielt Kunden in Ihrem geografischen Umkreis ansprechen möchten. Die geografische Ausrichtung des Verzeichnisses muss aber natürlich zu Ihnen passen. Recherchieren Sie am besten die betreffenden Verzeichnisse selbst, um zu sehen, was Sie dort in Bezug auf Ihre Lokalität/Region oder Ihre Mitbewerber finden.

2. Zentrale Verwaltung kann Arbeit sparen.
Bei einer grossen Anzahl von Verzeichniseinträgen kann es Sinn machen, eine zentrale Verwaltungsoberfläche zu haben, über die Sie all Ihre Firmenadressdaten pflegen können. Da es hauptsächlich um Adressdaten geht, die nicht so oft ändern, entscheiden Sie allein entscheiden, wo Ihre Schmerzgrenze liegt und was es Ihnen wert ist.

Bitte prüfen Sie, nicht nur hier, was Ihnen angeboten wird. Wenn Sie sich nicht sicher sind, holen Sie eine Zweitmeinung ein – die gibt’s meist sogar ganz kostenlos. Recherchieren Sie selbst, bevor Sie tausende von Franken ausgeben und damit nicht das erreichen, was Sie sich erhofft haben.