Schnäppchenpreise für die Liebe…?

Veröffentlicht am 27. November 2016 in Positionierung & Branding

Diese Geschichte hat mir eine Freundin erzählt und weil das Thema Schnäppchen ja auch im Onlinemarketing leider sehr relevant ist, teile ich sie hier mit Ihnen:

Meine Freundin hatte sich diesen Sommer neugierdehalber mit Online-Partnervermittlungen beschäftigt und dabei probeweise Profile auf zwei „seriösen“ Börsen erstellt. Sie füllte also die obligaten Fragebogen der beiden Plattformen aus, um zu sehen, was dann passiert. Gleich mal vorneweg: Ohne Kohle passiert gar nix. Weder Fotos noch Kontakte. Da meine Freundin aber auch Schwäbin ist, sagte ihre innere Frau Gscheidle dann auch gleich: „Ha no, Mädle – für so ebbes gibsch du fei kei Geld aus!“

Also wieder zugemacht und Ruhe im Karton. Von wegen. Ab diesem Tag bis heute überbieten sich die beiden Plattformen mit erst täglichen, dann wöchentlichen, mehr oder weniger phantasievollen Angeboten.

Als sie mir davon erzählte, war uns beiden schon rätselhaft, weshalb Partnervermittlungen überhaupt „Premium“-Mitgliedschaften für 12 oder gar 24 Monate anbieten. Sollte es nicht eher „Premium“ sein, wenn man den Dienst nach 3 Monaten NICHT mehr braucht? Oder ist das überhaupt eher was für serielle Monogamisten mit extrem kurzer Aufmerksamkeitsspanne?

Aber jedenfalls – so ging’s weiter:

Ab dem selben Tag erhielt sie schon Botschaften zu den ersten angeblichen Interessenten vom Traumschiff: „Biochemiker, 54, lebenslustig,sportlich,einfühlsam, interessiert sich für Sie und hat Ihr Profil besucht.“ Oder „Unternehmer Elektro Ing, 62, liebevoll, romantisch, humorvoll, schickt Ihnen ein Lächeln.“ Das Profil oder das Lächeln anzusehen, ging natürlich nur gegen Geld. Die innere Schwäbin klopfte meiner Freundin auf die Finger und verzichtete dankend in ihrem Namen.

Weshalb wohl am nächsten Tag gleich das „25% Preisvorteil“-Angebot auf die Premium-Mitgliedschaft im Posteingang erschien. Nach drei Tagen schickte die andere Plattform ein 40% Rabatt-Angebot mit der Begründung: „Weil wir besser sind als der Zufall“. Die erste Plattform wollte sich ebenfalls nicht lumpen lassen und bot nach 10 Tagen „im Auftrag der Liebe“ 35% Rabatt. Am selben Tag erhöhte die zweite Plattform wiederum auf satte 50%, denn „Das Erstbeste ist nicht gut genug!“. Die Erste lockte dann erstmal mit drei Tagen gratis im Austausch für ein vollständiges Profil, schob aber eine Woche später auch noch 50% hinterher. Und bei diesen regelmässigen, immer befristeten 50%-Angeboten steht es nun seit August.

Frage: Ist heute nicht „blöd“, wer irgendetwas zum normalen Preis kauft? Wir können uns noch so sehr über die „Geiz ist geil“-Mentalität unserer Kunden beschweren: Konsumenten wurden und werden seit Jahren konsequent dazu erzogen. Ob wir nun mit unserem Marketing aktiv dabei mitgemacht haben oder nicht: Umdrehen lässt sich diese Entwicklung nicht. Es gilt, stattdessen wahre Werte zu bieten. Und wahren, unvergleichbaren Wert hat neben nur noch, was ich sonst nirgends bekommen kann. Also das Einzigartige.

Wären die beiden Plattformen also nicht besser beraten, ein einzigartiges Angebot zu schaffen, als sich gegenseitig mit den gleichen Angeboten und Argumenten die Kunden abzujagen? You tell me.

Wie steht es denn mit Ihrer einzigartigen Positionierung?
Müssen Sie auch auf Schnäppchenpreise setzen oder stehen Sie für echte und einzigartige Werte?

 

Bild von Karolina Grabowska auf Pixabay